Kurt W. Zimmermann bezeichnet sich als letzten Medienkolumnisten der Schweiz. Früher hätten zahlreiche Zeitungen regelmässig über die Medienbranche berichtet. Auch das Schweizer Fernsehen hatte einen Medienklub. Heute sei diese kritische Berichterstattung weitgehend verschwunden.
Der Grund dafür sei das Ende der unabhängigen Konkurrenz zwischen den Medienhäusern. Früher hätten die Verlage gegeneinander gearbeitet, heute seien sie aus Synergie- und Spargründen vielfach Geschäftspartner. Das gelte etwa für TX und Ringier, die mit einem grossen Internet-Joint-Venture verbunden seien, aus dem mehr als zwei Drittel des Gewinns stamme. Ein kritischer Medienkolumnist, der den jeweiligen Partner angreife, riskiere deshalb Ärger mit der eigenen Verlagsleitung.
Auch CH Media und die NZZ-Gruppe seien trotz der Auflösung ihrer ursprünglichen Fusion weiterhin eng verbunden. Die Folge: Eine kontinuierliche kritische Beobachtung der Medienbranche finde kaum noch statt. Angegriffen werde vor allem das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), während die grossen privaten Medienkonzerne weitgehend verschont blieben.
Die NZZ sei die einzige Schweizer Zeitung mit einem wöchentlichen Medienteil. Doch auch dort kämen die grossen Konkurrenten TX und Ringier kaum kritisch vor. Zimmermann verweist zudem auf einen Fall, in dem ein missliebiger Artikel nach einem Anruf auf höchster Verlagsebene noch am selben Tag gelöscht worden sei.
Die Schweizer Medienbranche als Kartell
In der Schweiz sei «ziemlich ausgehackt». Die TX-Gruppe sei in zahlreichen Bereichen für andere Medienhäuser tätig: Sie vermarkte unter anderem Fernsehsender von CH-Media und Tele Ostschweiz, betreibe Plattformen wie Tutti und Ricardo und drucke Zeitungen von Ringier und der NZZ. Für Zimmermann entwickelt sich die Schweizer Medienbranche deshalb zunehmend zu einem Kartell.
Nur zwei Schweizer Publikationen könnten sich heute noch eine Medienkolumne leisten: die Weltwoche und die WOZ. Beide seien unabhängig, auch wenn die WOZ ihre Zeitung bei der NZZ-Gruppe drucken lasse. Zimmermann würde der WOZ ausdrücklich zu einer Medienkolumne raten – nicht zuletzt, weil er dann als Medienkritiker weniger allein wäre.
Die Weltwoche und Roger Köppel
Auf die Frage nach der Entwicklung der «Weltwoche» erklärt Zimmermann, kein anderes Schweizer Medium werde wohl so stark von einer einzelnen Person geprägt wie dieses von Roger Köppel. Die Zeitschrift sei zwar weiterhin ein Debattenblatt mit einem relativ breiten Meinungsspektrum, doch Köppel dominiere heute deutlich stärker als früher – besonders bei der Berichterstattung über den Ukrainekrieg. Das sei die grösste Veränderung der vergangenen 20 Jahre.
Spekulationen über russische Geldzahlungen an die «Weltwoche» weist Zimmermann zurück. Er kenne das Blatt gut, seine Zahlen seien gut, und es brauche kein Geld aus russischen Quellen.
✍️ Videobeschreibung:
Remo Massat, freier Publizist (Walliser Zeitung https://walliser-zeitung.ch und Solothuner Tagblatt https://solothurner-tagblatt.ch)
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🎥 Kamera und Schnitt:
Stefan Theiler | Transition TV
🗞️ Kolumnen von Kurt W. Zimmermann in der Weltwoche
https://weltwoche.ch/suche/?q=kurt%20w%20%20zimmermann
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Medienkartell Schweiz? Kurt W. Zimmermann packt aus | Journalismuskongress | Zürich-Flughafen, 16.10.2026
20. Oktober 2026 von Stefan Theiler
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