Was, wenn wir unser Leben gar nicht so sehr im Griff haben, wie wir glauben?
Christopher Nolans „Die Odyssee“ ist eines der großen Kinoereignisse des Jahres. Doch hinter den gewaltigen Bildern liegt eine Geschichte, die fast 3.000 Jahre alt ist und womöglich mehr über unsere Gegenwart erzählt als mancher moderne Ratgeber.
Im neuen Gespräch mit Elisa Gratias nimmt Gwendolin Walter-Kirschhoff Nolans Film zum Ausgangspunkt für eine Reise weit über das Kino hinaus. Was bedeutet es, wenn Odysseus alles verliert, irrt, scheitert und erst nach Jahren nach Ithaka zurückfindet? Was erzählen seine Irrfahrten über unsere Vorstellung, das eigene Leben kontrollieren, optimieren und möglichst fehlerfrei gestalten zu können?
Denn vielleicht liegt genau darin ein Irrtum unserer Zeit: dass wir glauben, jedes Problem müsse gelöst, jeder Fehler vermieden und selbst der Mensch irgendwann perfektioniert werden. Die alten Griechen kannten dagegen eine andere Größe: das Schicksal. Etwas, das uns übersteigt, das wir nicht vollständig verstehen – und dem wir dennoch begegnen müssen.
Gwendolyn Walter-Kirschhoff spannt den Bogen von Homer und Platon über chinesische Weisheitslehren bis zu unserem heutigen Vertrauen in Rationalität, Technik und KI. Es geht um Macht und Hingabe, um Zorn und das Kriegerische, um unsere Angst vor Fehlern und um die verlorene Fähigkeit, das Unvollkommene anzunehmen.
Und schließlich um eine überraschend praktische Frage: Woher wissen wir eigentlich, was in unserem Leben gerade zu tun ist?
Vielleicht müssen wir dafür nicht noch tiefer in uns selbst graben. Vielleicht müssen wir wieder lernen, nach außen zu schauen – auf das Leben, den Kosmos, auf das, was uns begegnet. Gwendolyn Walter-Kirschhoff formuliert dafür einen bemerkenswerten Gedanken: Der Anker liegt in uns. Doch die Führung kommt aus dem Raum.
Ein Gespräch über eine antike Heldensage und über die vielleicht viel größere Odyssee: unser eigenes Leben.
https://www.gwendolinkirchhoff.com/
«Das Schicksal ist größer als wir» - Gwendolin Walter-Kirchhoff über Nolan, Homer und unser eigenes Leben
18. September 2026 von ,
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